Ratgeber
Zinsen stunden: Eine Zinsstundung mit der Bank verhandeln
Reicht die Liquidität eines Unternehmens nicht mehr aus, um die laufenden Zinsen eines Immobilienkredits zu zahlen, ist die Lage ernster als bei einem reinen Tilgungsproblem. Eine Zinsstundung kann dann Zeit verschaffen. Für die Bank ist sie allerdings ein deutlich weitergehendes Zugeständnis als die Aussetzung der Tilgung. Entsprechend sorgfältig muss das Gespräch vorbereitet sein.
Was eine Zinsstundung ist
Bei einer Zinsstundung vereinbaren Bank und Kreditnehmer, dass fällige Zinsen nicht zum vertraglichen Termin, sondern später gezahlt werden. Die gestundeten Zinsen bleiben geschuldet. Je nach Vereinbarung werden sie zu einem festen Termin, in Raten oder bei Fälligkeit des Darlehens nachgezahlt. Häufig werden sie selbst verzinst oder dem Darlehen zugeschlagen.
Die Zinsstundung unterscheidet sich von der Tilgungsaussetzung, bei der nur die Tilgung ruht, die Zinsen aber weiter fließen. Sie ist rechtlich eine Vereinbarung zwischen den Parteien; einen allgemeinen Anspruch darauf hat das Unternehmen in der Regel nicht.
Warum die Bank Zinsstundungen kritisch prüft
Laufende Zinszahlungen sind für die Bank ein zentrales Signal für die Tragfähigkeit eines Engagements. Werden Zinsen nicht mehr bedient, stellt sich aus Bankensicht die Frage, ob die Immobilie den Kapitaldienst überhaupt noch trägt. Zudem wirkt sich eine Zinsstundung auf die interne Risikoeinstufung aus. Sie wird regelmäßig als Zugeständnis an einen Kreditnehmer in finanziellen Schwierigkeiten eingeordnet und kann zur Übergabe in die Intensivbetreuung oder Problemkreditbearbeitung führen.
Das bedeutet nicht, dass eine Zinsstundung ausgeschlossen ist. Es bedeutet, dass die Bank eine besonders belastbare Begründung erwartet.
Wann eine Zinsstundung in Betracht kommt
Eine Zinsstundung ist eher verhandelbar, wenn:
- der Liquiditätsengpass zeitlich absehbar ist, etwa bis zum Mietbeginn eines neuen Hauptmieters oder bis zum Abschluss eines Verkaufs,
- die Sicherheit werthaltig ist und der LTV auch unter Einbeziehung der gestundeten Zinsen vertretbar bleibt,
- ein konkretes Ereignis den Engpass beendet und dieses Ereignis belegt werden kann,
- Gesellschafter einen eigenen Beitrag leisten.
Schwierig wird es, wenn nicht erkennbar ist, wann und wodurch die Zinsen wieder regulär gezahlt werden können.
Verhandlungsgrundlagen
Liquiditätsplanung
Kern der Vorbereitung ist eine detaillierte Liquiditätsplanung auf Monatsbasis. Sie zeigt, welche Beträge gestundet werden müssen, für wie lange und wann die Nachzahlung möglich ist. Die Annahmen sollten nachvollziehbar dokumentiert sein.
Objektsituation
Die Bank wird wissen wollen, warum die Erträge nicht ausreichen und wie sich das ändert: Vermietungsstand, Verhandlungen mit Mietinteressenten, geplante Maßnahmen und deren Kosten. Belege wie unterzeichnete Mietverträge oder Absichtserklärungen haben mehr Gewicht als Erwartungen.
Rechtslage
Zu prüfen ist, welche Rechte die Bank bei Zahlungsverzug bereits hat, welche Fristen laufen und ob der Vertrag Verzugszinsen, Kündigungsrechte oder Cross-Default-Klauseln vorsieht. Wenn bereits Zinsen rückständig sind, ist die Lage anders zu bewerten als bei einer vorausschauenden Anfrage.
Gegenleistungen
Überlegen Sie vorab, was das Unternehmen anbieten kann: zusätzliche Sicherheiten, Gesellschafterdarlehen mit Rangrücktritt, die Verpfändung von Mietkonten, eine Ausschüttungssperre oder einen verbindlichen Verkaufsprozess mit Zeitplan.
Typische Inhalte einer Stundungsvereinbarung
Eine Zinsstundung wird üblicherweise schriftlich vereinbart. Regelmäßig enthalten sind:
- Umfang und Zeitraum der gestundeten Zinsen,
- Verzinsung der gestundeten Beträge und Zahlungstermin,
- Bedingungen, bei deren Nichterfüllung die Stundung endet,
- erweiterte Informationspflichten, etwa ein monatliches Reporting,
- gegebenenfalls ein Verzicht der Bank auf die Ausübung bestimmter Rechte für die Dauer der Stundung,
- Regelungen zu Kosten und Gebühren.
Diese Punkte sollten vor der Unterzeichnung genau geprüft werden. Insbesondere Beendigungsgründe und Meilensteine entscheiden darüber, wie belastbar die Stundung in der Praxis ist.
Häufige Fehler
- Die Bank wird erst nach einer ausgebliebenen Zahlung informiert.
- Die Liquiditätsplanung ist zu optimistisch und muss nach kurzer Zeit korrigiert werden.
- Die Stundung wird isoliert verhandelt, obwohl zugleich ein Covenant verletzt ist (siehe Covenant-Bruch).
- Es fehlt eine klare Aussage, wie die gestundeten Zinsen später bezahlt werden.
Geschäftsführerpflichten im Blick behalten
Eine Zinsstundung kann einen akuten Liquiditätsengpass überbrücken, ersetzt aber nicht die Pflicht der Geschäftsführung, die Lage des Unternehmens laufend zu prüfen. Insbesondere insolvenzrechtliche Pflichten bleiben bestehen. Diese Fragen sollten Sie gesondert mit Ihren rechtlichen Beratern klären.
Einordnung
Die Zinsstundung ist eines der Instrumente eines Kreditaufschubs für Unternehmen. Wenn mehrere Themen zugleich offen sind, etwa Zinsen, Covenants und Fälligkeit, kann ein Stillhalteabkommen den Rahmen für eine Gesamtlösung schaffen.
Häufige Fragen
Werden gestundete Zinsen erlassen?
Nein. Gestundete Zinsen bleiben geschuldet und werden später gezahlt, oft zuzüglich einer eigenen Verzinsung. Ein Verzicht der Bank auf Zinsen wäre eine gesonderte, deutlich weitergehende Vereinbarung.
Kann ich Zinsen und Tilgung gleichzeitig aussetzen?
Das ist möglich, wenn die Bank zustimmt. Es ist aber das weitreichendste Zugeständnis und erfordert eine besonders belastbare Begründung und in der Regel Gegenleistungen.
Wirkt sich eine Zinsstundung auf die Refinanzierung aus?
Möglicherweise. Neue Finanzierer prüfen die Historie des Engagements. Eine sauber dokumentierte und eingehaltene Stundung ist dabei anders zu bewerten als wiederholte Zahlungsausfälle.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind Ihr Darlehensvertrag und die Umstände des Einzelfalls. Kreditaufschub ist ein Angebot der BITREAL Capital GmbH, München; die BITREAL Capital GmbH ist keine Rechtsanwaltskanzlei.